Sunday, July 06, 2008

Konferenz die zweite

Exkursion zur 'Makara windfarm': Bei Wellington sollen innerhalb des nächsten Jahres eine Menge Windturbinen errichtet werden. Die Bevölkerung ist Größtenteils dafür. Das Foto zeigt den extra errichteten Hafen, der nach Abschluß des Pojekts wieder demontiert wird, für die Anlieferung von Bauteilen.

Wind und Wetter trotzende Geographen: Es war absolutes Schietwetter bei der Exkursion, weshalb wir nur zwei Mal den Bus verließen. Dies reichte jedoch, um ziemlich nass zu werden.

Julian (ebenfalls Environmental Studies) und meine Wenigkeit mit äußerst kleidsamen Helmen und Warnwesten.

Blick von Mount Victoria auf Wellington CBD: Anthony (Doktorand an der University of Otago in Dunedin) und ich sind heute nachmittag noch raufgekraxelt, da er erst morgen zurück nach Dunedin fliegt.

Danach eine aufwärmende koreanische Meeresfrüchtesuppe. Ich brachte es allerdings nicht fertig die ganzen Tierchen darin zu essen...

uffm Aussichtspunkt von Mount Victoria

Ein paar meist interessante, lustige, manchmal anstrengende, mehr oder weniger ereignisreiche und alles in allem sehr lohnenswerte Tage sind zu Ende. Nach dreieinhalb Tagen Geographie-Konferenz ist noch ein Tag Verschnaufpause bevor es ins nächste Trimester geht. Das Mithelfen bei der Konferenz hatte diverse positive Seiten: Teilnahme, Tassen, T-Shirt, Kugelschreiber, Lippenbalsam, Fachzeitschriften, Exkursion, grandiose Verpflegung und neue Kontakte umsonst. Jedenfalls so gut wie, denn das Hochladen der Präsentationen, zwischen den Vorträgen wechseln der Präsentationen, für Wasser und Becher sorgen und orientierungslosen Geographen zu den entsprechenden Treffpunkten und Räumlichkeiten helfen waren durchaus machbare und nette Aufgaben. An Themengebieten wurden vor allem Human- und Physische Geographie behandelt; außerdem Geographieunterricht an Schulen und die Verbindung zwischen Uni- und Schugeographie sowie ein bisschen Geoinformationssysteme. Es gab so schräge Themen wie „The gendered consumption of bottled water“. Das musste ich mir doch glatt anhören! Nach dem Vortrag machte dieser Titel es auch wesentlich mehr Sinn für mich: Die Methoden dieses Projekts waren qualitative Interviews und die Analyse von Werbung in Zeitschriften im Hinblick auf das jeweilige Zielpublikum. Es ging immer recht früh morgens los weshalb es nicht verwunderte, dass die Entwicklung der Besucher der jeweils ersten Veranstaltung am Morgen eine negativ-exponentielle Tendenz von äußerster Signifikanz aufwies. Viele traten auch schon am Abend des dritten Tages den Heimweg an. Die Vortragenden heute mussten aber nicht vor leeren Sitzreihen stehen, denn die letzten Konferenz-Mohikaner waren glücklicherweise doch noch recht zahlreich.

Tuesday, July 01, 2008

Weihnachten gehört in die kalte Jahreszeit

Der letzte Sonntag war wirklich winterlich: Kalt, tierisch windig und so gut wie ununterbrochen Regen. Passenderweise gab’s dazu eine Weihnachtsparty bei Stephan mit Glühwein, Plastiktanne, Weihnachtsmusik und sogar kleinen Geschenken.
Weniger erfreuliche Nachrichten am Montagmorgen. Schade, aber immerhin Vize-Europameister. Als ich am Abend Radio NZ hörte, gab es da ein Interview mit einem ehemaligen Kiwi-Fußballer, der mal bei Werder Bremen gespielt hat und als Sachverständiger versuchte der neuseeländischen Zuhörerschaft das Phänomen Fußball in Europa bzw. spezifischer in Deutschland nahe zu bringen. Der Reporter von Radio NZ meinte zum Beispiel, dass es der NZ Rugbytrainer ziemlich schwer hatte, als die Mannschaft ein Spiel verlor und er vorübergehend der wohl meist gehasste Mann der Nation war. Daraufhin entgegnete der Ex-Bremer, dass dies nur ein Bruchteil von dem sei, was deutschen Trainern für ein Medienecho entgegenschlägt; dass diese SOGAR ihren Hut nehmen müssen nach einer bedeutenden Niederlage. (Die Kiwis sind vermutlich mindestens so fanatisch beim Rugby wie viele Deutsche beim Fußball aber anscheinend haben die Trainer nicht ganz so viel zu leiden ;o)) Des Weiteren war er sehr begeistert/verblüfft/überwältigt von den tausenden von Zuschauern in deutschen Stadien sowie der Fanmeile nach der EM und durchsetzte seine Schilderungen in regelmäßigen Abständen mit „incredible“.
Da morgen die Konferenz der NZ Geographical Society hier an der Uni beginnt, haben wir volunteers heute noch ein paar Sachen aufgebaut, Poster aufgehängt, Zeitschriften auf Tischen fein säuberlich sortiert, Tassen und Konferenzprogramme mit Werbezetteln gespickt etc. pp. (es ist echt unglaublich, wie viel Werbemüll von diversen Verlagen etc. untergebracht werden muss). Sogar T-Shirts haben wir bekommen, damit man uns als Helfer identifizieren und mit penetranten Fragen belästigen kann. Die Shirts sind wenigstens auch außerhalb der Konferenz tragbar, da in schlichtem schwarz und mit nur wenig Aufschrift. Morgen geht’s dann ziemlich früh los, deshalb geh ich jetzt bald ins Bett und hoffe, dass mir Powerpoint und Beamer morgen wohl gesonnen sind und mittelschwere Katastrophen ausbleiben, denn unsere Aufgabe als volunteers ist u.a. die Präsentationen der ganzen Leute startklar zu machen.

Saturday, June 28, 2008

Konferenz die erste

Gestern und heute war ich auf einem ‚Energy, Transport and Sustainability Symposium’ hier in Wellington an der Victoria Uni, aber auf einem anderen Campus als ich sonst meine Zeit totzuschlagen pflege. Die Koinzidenz von Interesse meinerseits und kostenloser Teilnahme andererseits führten also zur Anmeldung zu dieser Veranstaltung. Um es gleich vorweg zu nehmen: Das Essen war der Hammer und schon allein deswegen hat es sich gelohnt ;o) Na gut, nun mal zum substantielleren Teil. Bei der Registrierung am Anfang gab’s erstmal Namensschildchen zum Umhängen und Wichtigaussehen. Am ersten Tag haben diverse Leute Präsentationen gehalten, wobei es um urban form, planning, electric vehicles, travel demand & behaviour, fuel policy & CO2 ging. Zum Abschluss konnte man sich außerdem noch einige Poster reinziehen, was ich dann aber auf den nächsten Morgen verschoben habe, weil sich meine Konzentration und Aufnahmefähigkeit asymptotisch ihrer Maximalkapazität angenähert bzw. diese überschritten hatten.
Tag zwei war der Interaktion/Verknüpfung von Forschung und Politik gewidmet. Vormittags gab’s zwei Präsentationen von wichtigen Leuten, die auch ganz gut waren. Für die erste Präsentation konnte die Uni mal zeigen was sie hat und was ihre Techniker drauf haben, denn der Redner wurde per Audio-Video-Konferenzschaltung in den Hörsaal übertragen. Nach ca. 15 min war dann auch das Problem gelöst, dass man entweder seine Powerpoint-Folien und ihn sehen konnte oder keine Folien, aber der nette und agile Herr zu sehen und zu hören war. Er befand sich in Edinburgh und machte es wohl richtig, wenn man das Thema der Konferenz bedenkt: Da bleiben, wo man ist und nicht durch zusätzliches Rumgefliege weitere Tonnen an CO2 produzieren. Sein Thema war jedenfalls die Entkopplung von Frachttransport und CO2-Emissionen.
Der zweite Hauptredner dieses Tages war physisch anwesend, was die Sache erheblich erleichterte, und sprach über Urban Design und dessen Beitrag zur CO2-Reduktion. Meiner Meinung nach hat er voll den Nagel auf den Kopf getroffen und viele gute Punkte aufgeworfen und der Großteil des restlichen Publikums war erfreulicher Weise auch dieser Meinung. Wollen hoffen, dass die Politikerfraktion, die anwesend war, sich das zu Herzen nimmt.
Nachmittags ging’s dann in die Workshops. Ich war bei einem als (bitte nicht totlachen) ‚knowledge harvester’ tätig (hatte mich einige Tage zuvor dafür gemeldet als Leute gesucht wurden, die mithelfen). Eigentlich sollte ich also am Ende die Hauptergebnispunkte zu jemand anders bringen, der das Ganze dann für die Abschlusspräsentation auf Powerpoint-Folien bannt. Na ja, im Endeffekt habe ich nicht wirklich was gemacht außer Zettel verteilt und wieder eingesammelt, aber es war soweit ein ganz netter Workshop, wenn auch nicht unbedingt mein Hauptinteressensgebiet. Alles in allem war dieser zweite Tag heute ziemlich angefüllt mich Policy-Geschwafel. Das klingt für mich immer alles so unkonkret und ich kann danach immer gar nicht wirklich sagen, was denn die Maßnahmen sind, die vorgeschlagen wurden. Das ging mir auch in meinem einen Kurs im Studium letztes Trimester so. Na ja, liegt sicher an mir; weiß auch nicht, ob ich das in D bzw. auf deutsch anders empfinden würde. Ich will damit also nicht sagen, dass ich Politik sonst nur als Geschwafel wahrnehme. So isses nich. Außerdem habe ich mich in D damit sicher in einem anderen Kontext auseinandergesetzt, soll heißen: Ich kann das womöglich nicht wirklich vergleichen, aber momentan geht es mir jedenfalls so, als ob das alles irgendwie schwammig ist und ich nicht auf Anhieb oder nicht viele handfeste Sache nennen könnte, die die konkrete Umsetzung betreffen. Es ist halt vieles „strategic“, „integrated“ und „coordinated“. Na ja gut, klar kann man sich darunter was vorstellen… ach Schwamm(ig) drüber! Ach ja, die Konferenz wurde übrigens unfreiwillig eilig und um 15 min. vorzeitig beendet, denn... ratet, was immer in den entscheidenden Momenten meines Lebens passiert...?! Genau! Feueralarm. War aber ganz gut in diesem Fall, denn sonst hätte sich die ganze Sache noch ziemlich hingezogen.
Gerade bin ich von der Abschiedsfete von einem deutschen Freund hier zurück. Extra relativ früh los, um den letzten Bus noch zu erwischen, aber mein Fahrplan und der an der Haltestelle wiesen eine halbstündige Zeitdiskrepanz auf, was mir verriet, dass der letzte Bus also schon seit einer ganzen Weile weg war. Nach etlichen Flüchen und Metern zu Fuß habe ich dann meine Premierenfahrt in einem Wellingtoner Taxi angetreten. Hmpf, ärgerlich das Ganze – man kann sein Geld auch sinnvoller anlegen als in Taxifahrten.

Tuesday, June 17, 2008

Die große Leere danach...?

mehr Steine als Erde


die pflanzwütige Masse bei der guten Tat des Tages

äthiopisches Essen: Was aussieht wie Stofffetzen sind Fladen aus fermentiertem Reis, die das Besteck ersetzen. Aber für mich als europäisches Weichei, das nicht mal einen Doener ohne Gabel öffentlichkeitsfähig essen kann, gab's auch Hilfsmittel. Alles sehr bunt und sehr lecker. Teller und Besteck natürlich aus ökologisch unbelastendem, da völlig verrotbarem Material :o)

Jessica 2.v.l. (bei der die ganze Aktion stattfand), Ralph 3.v.r. (Seminarleiter für einen meiner anderen Kurse)


das Anwesen - soweit das Auge reicht


die staunende Menge vor den Komposthaufen

Falls ihr noch nie ein Regenwurmei gesehen habt: Das ist eines. Aus einem solchen Ding schlüpfen 4 neue Würmer.

Wurmkultur in Reinform


Uff, da bin ich wieder. Die Zeit seit dem letzten Eintrag umfasst(e) den Endspurt des ersten Trimesters und inzwischen bin ich auch einigermaßen zuversichtlich, dieses halbwegs anständig hinter mich gebracht zu haben. Heute hatte ich meine zweite und letzte Klausur. Diese beiden schriftlichen Manifestationen meiner meist eher weniger als mehr zusammenhängenden geistigen Ergüsse waren vielleicht nicht der Brüller, aber ich denke, es sollte reichen um die Frustrationsschwelle zu überspringen und mir einen akzeptablen Notendurchschnitt zu sichern… na ja, die Hoffnung stirbt zuletzt. Nach der ersten Klausur letzte Woche waren wir in einem Pub, wo sogar auf großer Leinwand und mit Beamer die Fussballl EM lief, allerding gerade kein Spiel der deutschen Mannschaft. Ansonsten habe ich noch nicht mitbekommen, dass die EM hier Gesprächsthema wäre. Heute Abend waren ein paar andere Bars dran, aber da ich bin nicht fürchterlich spät und rein promillemäßig auch problemlos nach Hause gekommen. Einige meiner Kommilitonen waren allerdings konstant seit heute Mittag 12:30 Uhr am Trinken.
Ansonsten war in der Zwischenzeit World Environment Day, der dieses Jahr in Wellington ausgerichtet wurde. Ich war im Rahmen dessen nur bei einer Podiumsdiskussion auf welcher der IPCC-Vorsitzende, der UNEP Executive Director (übrigens jemand mit einem so was von deutschen Namen: Achim Steiner), NZ’s Minister für Climate Change Angelegenheiten und der Präsident von Kiribati (sprich: Kiribas) die Redner waren. Wie bei solchen Veranstaltungen wohl üblich gab es keine wissenschaftlich fundamentalen Neuigkeiten. Das Ziel besteht eher darin Aufmerksamkeit und Interesse des gemeinen Pöbels zu wecken. Hat bei mir ja auch gefruchtet. Interessant und beeindruckend fand ich die Schilderungen von Anote Tong (Präsident von Kiribati). Seine Regierung befasst sich schon seit einiger Zeit mit den Möglichkeiten, die die Kiribati haben um den Konsequenzen des Klimawandels in Form eines steigenden Meeresspiegels zu entkommen. Der Großteil des Inselstaates ist nur 2 m über dem Meeresspiegel gelegen. Wie der IPCC-Vorsitzende erklärte, wird zum Ende dieses Jahrhunderts allein durch temperaturbedingte Ausdehnung des Wassers der Meeresspiegel um einiges ansteigen, d.h. also Kiribati (und andere Inseln im Pazifik) wird zum Teil von der Landkarte verschwinden. Ich finde es ziemlich schockierend, dass wir es nun wirklich soweit gebracht haben, dass ganze Inselstaaten dem Klimawandel zum Opfer fallen. Die Kiribati wollen jedenfalls nach NZ „auswandern“ bzw. muss die Bevölkerung noch komplett überzeugt werden, dass es nötig ist, die angestammten Inseln zu verlassen. Es zeugt natürlich von weiser Voraussicht der Regierung, sich jetzt darüber Gedanken zu machen. Kiribati erörtert zum Beispiel mit NZ, ob es möglich ist, dass die betroffene Bevölkerung dann die NZ residency oder citizenship bekommt. Ich fand es dennoch irgendwie schockierend, die Konsequenzen des Klimawandels so konkret zu erfahren, denn ich hatte immer das Gefühl, dass es in Europa zwar auch eine sehr wichtige Angelegenheit ist, aber man doch immer noch nicht so fürchterlich unmittelbar betroffen ist (mal abgesehen von Hitzeperioden und Stürmen etc., bei denen man sich nicht einig war, ob’s der Klimawandel ist oder doch nur ein „normales“ Ereignis oder den Niederländern, die sich unterhalb des Meeresspiegels eingerichtet haben).
Im Rahmen des World Environment Day hat außerdem eine Dozentin auf ihrem permaculture-Anwesen einen Tag mit verschiedenen Gastrednern, Infos über Kompost und Pflanzen pflanzen veranstaltet. Es geht bei permaculture um Subsistenz und Nachhaltigkeit, denn das Ziel ist eigene Nahrungs- und Energieversorgung auf ökologische Art und Weise. Außerdem gab es einige Infos zu Matariki, dem Maori Neujahrsfest, das Mitte Juni begangen wird, wenn die Plejaden zu sehen sind. Ein paar von unserem Kurs sind also mit Regenjacken, Gummistiefeln und Spaten bewaffnet in den Zug nach Upper Hutt gesprungen um dem Ereignis mit tatkräftiger Unterstützung beizuwohnen. Es war ziemlich regnerisch, aber trotzdem sind nachmittags alle ca. 60 Mann raus und haben das Wurzelwerk von über 160 Pflanzen mit mehr oder weniger Professionalität und Elan im Erdreich versenkt. Obwohl… diese Beschreibung ist wohl mindestens mittelschwer übertrieben, denn es waren mehr Steine als Erde. Das „Pflanzgebiet“ befand sich direkt neben einem Fluss, der eben gerne mal Geröll liegen lässt, wenn er meint mit der Überflutung fertig zu sein. So schichteten wir also sorgfältig die Steine um die Pflanzen, nachdem wir ein Loch in das Geröllfeld geschlagen hatten. Zuvor gab es jedoch noch einige Auskünfte zu Kompost und den besten Zutaten zur Zucht von Regenwürmern.

Friday, May 30, 2008

Seuls les petits esprits aiment l'ordre, le génie maitrise le chaos.

Eine weitere Woche neigt sich dem Ende. Eine Woche, von der ich eigentlich gedacht hätte, dass sie etwas ruhiger wird, aber das Essay zum Gruppenprojekt gestaltete sich doch etwas schwieriger als gedacht, zumal der Erschwernisgrad der Teamarbeit hinzu kam. Die soft skills sind nun also auch auf ihre Kosten gekommen. Das Essay war eigentlich um 12 Uhr heute Mittag fällig. Passenderweise gab’s um 11:20 Uhr einen Feueralarm (allerdings keine Probe, sondern durch irgendwen ausgelöst, wie sich später herausstellte) und da hier kontrolliert wird, ob auch alle die Räume verlassen, blieb uns nichts anderes übrig, als widerwillig rauszutrotten. Nach einer halben Stunde Frischluft und dem Auftritt der Feuerwehr durften wir wieder zurück. Die verspätete Essay-Abgabe war somit entschuldigt, obwohl wir es vermutlich ganz knapp bis 12 Uhr geschafft hätten. Den Rest des Tages werde ich wohl keine Bäume mehr ausreißen. Vielleicht sollte ich mich mal um Krempel kümmern, den ich schon lange nicht gemacht habe, z. B. Haushalt und so ;o)

Friday, May 23, 2008

wieder im leben?!

So, da bin ich wieder mal; aus der Versenkung universitärer Abgründe aufgetaucht – vorübergehend. Die letzten Wochen waren etwas beanspruchend, aber heute Abend ist erstmal durchatmen angesagt bevor es morgen weitergeht. Gerade hatte ich eine Gruppenpräsentation für den Kurs „Maori environmental and resource management“. Na ja, war nicht der Hammer, aber bei der kurzen Vorbereitungszeit wohl auch nicht anders zu erwarten. Ich bin aber echt froh, es mir kurz vor meiner Immatrikulation doch noch anders überlegt und diesen Kurs gewählt zu haben. Ich werde wohl nicht mit der besten Note da rausgehen, aber es war definitiv gut um etwas über und mit Maori zu lernen, auch wenn ich nur die Oberfläche dessen angekratzt habe, was ihre Kultur ausmacht.
Tja, ansosnten immer noch keine grandiosen Reiseberichte, atemberaubenden Fotos oder einschneidenden Lebensveränderungen. Das einzige, was einschneidet, ist der Hosenbund und zwar in meinen Speckbauch. Studienbedingter Bewegungsmandel ist echt nichts Tolles. Immerhin habe ich letzte Woche eine Mitgliedschaft für das Sportcenter hier auf dem Campus abgeschlossen, was mir hoffentlich dazu verhelfen wird, trotz nahenden Winters mein Bewegungspensum etwas zu erhöhen.
Hm, und sonst so…? Na ja, ich war nicht viel zu Hause in letzter Zeit; eigentlich nur zum Duschen und Schlafen. Patrick schnarcht meist schon, wenn ich ankomme. Es ist mir echt ein Rätsel, wie seine Freundin das aushält. Ich hab ja wenigstens noch eine Wand dazwischen, aber finde es trotz dessen mitunter nervig.
Letzte Woche war für unsere Fakultät Graduation Day, d.h. vormittags eine kleine mehr oder weniger offizielle Veranstaltung hier im Institut mit 150 Leuten (Studis plus Eltern etc.), wonach der ganze Tross runter in die Stadt zieht um sich in einem Saal zu einer stundenlangen und, soweit ich gehört habe, ziemlich langweiligen und vor allem langwierigen (alle graduands einer Fakultät werden am selben Tag abgefertigt) offiziellen Zeugnisübergabe zu versammeln. Das Ganze findet zwei Mal im Jahr statt und ich war neugierig, die ganzen Leute, Profs und graduands, in ihren offiziellen bzw. eben anlassspezifischen Gewändern zu sehen. Jede Fakultät hat ihre eigene Farbe, obwohl natürlich der größte Stoffanteil in schwarz ist. Man hört zudem die unglaublichsten Geschichten von Professoren und anderen gestandenen Akademikern, die sich an diesem Tag mit den übrig gebliebenen Sektflaschen vom morning tea im Institut einen schönen Tag machen, d.h. sich komplett betrinken und ziemlich schräge Dinge veranstalten um auch noch an die letzten Pullen im Lager zu kommen.
Übrigens habe ich den Kiwis Unrecht getan mit meinen Kommentaren zum Thema Hausisolierung: Seit 1978 gibt es ein Gesetz, das vorschreibt, neue Häuser mit einer Isolierung auszustatten, obwohl diese in den Anfangsjahren noch ziemlich simpel waren und nicht wirklich wärmende Wirkung zeigten.
Anfang Juni gibt es ziemlich viel zu feiern in Wellington: Am 2.6. begeht die Queen ihren Geburtstag, was der ganzen Nation zu einem arbeitsfreien Tag verhilft. Die Regelungen zum Geburtstag der Queens sind echt ziemlich schräg, wie ich finde: Es ist immer ein Montag (d.h. langes Wochenende für die Bevölkerung). In NZ ist es der erste und in Australien der zweite Montag im Juni, außer in Western Australia; da ist es Ende September oder Anfang Oktober; ganz zu schweigen von diversen anderen Commonwealth-Ländern. Komisch irgendwie, dass man seinen Geburtstag so beliebig legen kann.
Am 5.6.08 ist World Environment Day, der dieses Jahr in Wellington stattfindet und viele Veranstaltungen vom 3.-5.6. mit sich bringt. Beispielsweise mit Rajendra Pachauri (IPCC-Vorsitzender (Intergovernmental Panel on Climate Change)). Eine ziemlich coole Idee ist auch das hier:
http://www.youtube.com/watch?v=jwMj3PJDxuo, http://www.youtube.com/watch?v=qtUNj2BNTsU. Was? Freeze en masse irgendwo an einem öffentlichen Ort, wo man eben gerade ist, für fünf Minuten. Warum? Um den World Environment Day zu begehen und Leute zum Innehalten und Nachdenken anzuregen. Bin mal gespannt, wie das in Wellington wird.
Du meine Güte, ich kann noch gar nicht glauben, dass ich morgen ausschlafen kann!! …obwohl ich heute ziemlich viel später aufgestanden bin als ich eigentlich wollte. Da mein Mitbewohner um 7:30 Uhr gerade das Bad belegte und ich noch ein paar Minuten warten musste, bin ich fataler Weise wieder in einen komatösen Schlaf gefallen, da die letzten Nächte immer ziemlich kurz waren und diese Nacht besonders (war um 3 Uhr von der Uni zu Hause). Als ich das nächste Mal die Augen aufmachte war es 10:30 Uhr, was mir zumindest zu einem relativ schnellen Start verhielf, da um 12 Uhr ja die Präsentation angesetzt war. Zu allem Überfluss war/ist heute auch seit etlichen Tagen das erste Mal wieder mistiges Wetter, sodass ich mich zähneknirschend dazu entschied, den Bus zu nehmen, was mich jedes Mal ärgert, da dieser so unzuverlässig ist. Ich hab jedoch noch alles rechtzeitig geschafft und werde mich nachher endlich mal mit einem etwas besseren Gefühl als die letzten Tage ins Bett rollen.

Saturday, May 10, 2008

schlafen kann man, wenn man tot ist...

Sorry für die lange Funkstille... Es ist halt nur so, dass ich mich im Augenblick nicht beschweren kann, dass mir die hiesige Einrichtung für tertiäre Bildung zu viel Freizeit bescheren würde. Na ja, noch einen Monat dann ist die Vorlesungszeit des ersten Semesters um und der Prüfungszeitraum beginnt. Mitte Juni hab ich dann die letzte Klausur und das erste Trimester ist vorbei. Gut zwei Wochen später geht das zweite dann los und ich hoffe, dass das etwas entspannter wird als dieses, da ich dann nur zwei statt drei Kurse habe. Das hört sich nicht viel an, aber es ist gerade echt gruslig, was man eigentlich alles machen müsste. Momentan konzentriere ich mich aber auf die Arbeiten, die benotet werden (massenhaft Essays schreiben). Dafür bleibt der ganze andere Kram, den ich nebenbei für die wöchentlichen Sitzungen lesen müsste, auf der Strecke und irgendwann fällt mir das dann auf die Füße. So, nun habe ich wohl genug gejammert; sorry dafür... eigentlich sollte ich und bin ich ja auch froh darüber, dass ich die Chance habe hier studieren zu dürfen.
Ansonsten gibt es allerdings nicht viel Spannendes zu berichten, deshalb nur unspektakuläre Sachen zu Alltag und Wohnen: Haus (Baujahr 1949) oder was die hier so Haus nennen (kommt mir manchmal vor, als ob die Wände nur aus mit Holzpanelen verkleideten Spanplatten bestehen) in ruhigem Wohnvorort; Bewohner: Patrick und ich, gelegentlich zwei Katzen im Garten und am WE Patricks Tochter Scarlett (ca. 16 Monate alt). Außerdem hat Patrick ne neue Schnitte aufgerissen, denn mit der alten ist seit ein paar Wochen Schluss und seit einiger Zeit übernachtet des Öfteren eine Nicki hier, die echt nett ist. Das WG-Leben ist meist eher zweckorientiert. Wir kochen nicht zusammen oder so, aber wir mögen uns durchaus und Patrick hilft mir auch manchmal, wenn mein Fahrrad mal wieder nicht so will wie ich. Die Wohnung oder zumindest die Küche ist aber auch nicht gerade als Ort sozialer Interaktion konzipiert, denn es gibt keinen Küchentisch oder Stühle und im Wohnzimmer nur einen Couchtisch, ein Sofa, in das man einsumpft, und natürlich den Fernseher samt Pay-TV, der mitunter sinnloser Weise und viel zu laut läuft, obwohl Patrick in seinem Arbeitszimmer einen Film am Computer schaut. Irgendwie scheinen ihn die Geräusche aus dem Nebenraum dabei nicht zu stören... Patrick ist Amerikaner, Texas, hasst Bush, sagt "America sucks!", kifft mitunter ganz schön viel, trinkt am liebsten Pinot Noir und hat in den letzten Monaten 10 kg abgenommen. Er wird im September 40, will dann mit dem Rauchen aufhören und da nimmt man ja bekanntlich zu.
Ich fahre jeden Tag mit meinem nicht mehr so ganz fitten Fahrrad zur Uni - Berg rauf und wieder Berg runter - oh Mann, ich als Flachlandtiroler dachte ja, Jena wäre schon in einer hügeligen Gegend, aber die Stadt hier hat echt krasse Straßen in puncto Enge und Steigung/Gefälle. Seit Wochen will ich mein Fahrrad endlich mal zur Reparatur bringen bzw. selber daran rumwerkeln (Schaltung nachstellen, neuen Kettenschutz ranbauen, Vorderlicht kaufen, Luft aufpumpen) aber entweder es schifft und ich nehme den Bus oder die Sonne scheint und ich will mein Fahrrad nicht hergeben.
So langsam wird es auch Winter und die Nächte ziemlich ungemütlich kalt. Da dieses Haus wie die meisten anderen hier auch weder Isolierung noch Heizung aufweist, Fenster und Türen alles andere als dicht sind und der Wind somit durchs ganze Haus pfeift, selbst wenn alles "geschlossen" ist, freue ich mich schon echt auf die kalte Jahreszeit, die natürlich von der Temperatur her nicht so kalt ist wie in Deutschland aber es ist eben immer windig und das lässt einen ganz schön bibbern. Außerdem ist die Luft sehr, sehr feucht (nervig, dass Wäsche eigentlich nie richtig trocken wird...). Ich hab nichts gegen trockene Kälte (am besten mit Sonnenschein) aber hier ist es einfach nur windig, kalt und Regen, Regen, Regen. Aber noch sind die meisten Tage recht erträglich. Letzten Montag war es allerdings ganz schön frisch und wir hatten einen dreistündigen Kurs in einem Seminarraum, in dem aus irgendwelchen Gründen die Heizung nicht funktionierte. Es brachte uns zumindest ein paar Minuten der körperlichen Ertüchtigung ein, die uns die Dozentin gewährte, damit die Beine warm bleiben. Irgendwie eine seltsam-lustig Situation, wie ich in dem Moment fand.
Nu denn, ich wünsche euch ein schönes Pfingstfest, freue mich über Nachrichten von euch und hoffe, ihr seid mir nicht böse, wenn ich gerade keine Zeit für Antworten epischen Ausmaßes habe…