Saturday, August 30, 2008

Ein Samstag

Lyall Bay: Sandburgen und Kite Surfing




Island Bay



war ich ganz stolz, diese hier heute gefunden zu haben :o)






Heute war ich mal ganz gegen jede Gewohnheit nicht an der Uni. Dafür was zu Essen einkaufen. Auf dem Weg zum Supermarkt bin ich so die Küste entlang geradelt und hab mal ein paar Bildchen gemacht. Ich war heute das erste mal bei Pak'nSave einkaufen. Da gibt's Lebensmittel in Massen und dafür billiger. Meine Einkaufsliste ist allerdings generell durch die Kapazität meines Rucksacks begrenzt. Daher habe ich das Potential der gigantischen Einkaufwagen nur marginal genutzt. Ich hab jedenfalls eine Weile gebraucht, durch diesen Konsumdschungel zu irren. Na ja, bin ich halt mal da gewesen. Das zweite "highlight" dieses Tages fällt ebenfalls unter diese Kategorie. Es war das Schwimmbad. Voller Enthusiasmus und verwirrt von dem Plan im Internet, wann welche Bahnen frei sind, begab ich mich also zum Ort des vermeintlichen aquatischen Aktivitätsmekkas. Dummerweise war genau zu dieser Zeit das 50m-Becken nicht für den gemeinen Pöbel freigegeben und mir wurde das 25m-Becken offeriert, das jedoch nur 1,2m tief ist und 34°C warm. Nun ja, ich ließ es drauf ankommen und musste sodann feststellen, dass ich die einzige in diesem Becken über 7 Jahre und 1,4m Körpergröße war (mal abgesehen von einem besorgten Papi, der seine Sprößlinge ins pisswarme Wasser eskortierte). Ansonsten bot sich ein Bild von besorgten, wartenden und strickenden Muttis am Beckenrand. Was soll ich sagen... ich gab nach kurzer Zeit auf. Fazit: Das nächste Mal genauer informieren, wann welches Becken frei ist. Der Eintritt ist zumindest echt günstig: ca. 2,60€ für unbegrenzte Zeit!

Sunday, August 24, 2008

Große Aufgabe, kleiner Anfang

Hallo zusammen, ich will mal ein bisschen im Namen des Klimaschutzes missionieren. Nachdem ich letzte Woche ein Essay über die aktuellen und biophysikalisch wünschenswerten Temperaturen, Treibhausgaskonzentrationen etc. abgegeben habe und mich auch sonst in diesem Kurs damit befasse, könnte ich echt deprimiert das Handtuch werfen und aus dem Fenster springen, wenn ich die ganzen wissenschaftlichen Studien dazu lese. Wenn wir nicht endlich schnell und drastisch unsere Treibhausgasemissionen reduzieren, wird sich das Klima auf unserem Planeten deutlich ändern (bzw. ist es ja schon dabei). Ok, ihr könnt jetzt sagen: "Was soll's ich sterbe sowieso, bevor der Klimawandel richtig zuschlägt." Mag sein, ist aber unwahrscheinlich. Außerdem frage ich mich dann, wie viele von euch Kinder haben oder später mal haben möchten. Falls es für euch wichtig ist, in was für einer Welt eure Kinder leben, solltet ihr euch auf alle Fälle darüber Gedanken machen. Natürlich kann man immer mit dem Finger auf andere und die große Industrie zeigen und sagen, dass die mal ihre Emissionen reduzieren sollen etc. Aber ihr könnt bei euch anfangen einen Unterschied zu machen und was an euren - möglicherweise unüberdachten Gewohnheiten - ändern (z. B. Benutzung des Autos für jede noch so kurze Strecke).
Momentan hat die Treibhausgaskonzentration mit ca. 387 ppm bereits ein Niveau erreicht, das über dem "sicheren" Level von 350 ppm liegt. Ihr könnt z. B. mal hier schauen: www.350.org und auch von da aus weiter durchs Netz klicken.
Solcherlei Appelle sind ja sonst nicht meine Art, aber vielleicht sollte ich es mir mal angewöhnen. Ich denke meistens, dass die Leute sicherlich schon davon gehört haben und Bescheid wissen, aber viele wissen es eben doch nicht. Ich bin sicherlich auch keine Heilige in Sachen Emissionsvermeidung und Ökokram, aber ich bemühe mich.
Nach einem halben Jahr hier kann ich sagen, dass Deutschland mir doch wesentlich "grüner" erscheint als NZ. Es ist schon komisch, wenn man immer das Image einer landschaftlich grünen Nation (das stimmt wohl) und einem ebensolchen politischen Handeln und Denken in den Köpfen der Leute hier vermutet (stimmt in mitunter erschreckendem Ausmaß nicht). Es wäre toll, wenn wir alle unseren Beitrag leisten, auch wenn dieser euch sehr klein und unbedeutend erscheinen mag - es macht einen Unterschied!

Wednesday, August 20, 2008

neue perspektive

Danke für alle eure lieben Glückwünsche!!

Das neue Heim.

Gegenüber auf der anderen Straßenseite.

ebenfalls

Blick vom Hof die Straße runter.

Unsere paar Quadratmeter frisch gelegter und noch kaum angewachsener Rasen.

Mein neuer Wohnort (das A unten). Der rote Kreis ist die Uni.

Hallo, hallo und auch auf diesem Wege noch einmal vielen Dank für eure lieben Geburtstagsglückwünsche!!! Ich hab allerdings nicht großartig gefeiert oder so, da ich am Wochenende umgezogen bin und ein Essay schreiben musste, für das die deadline am 18.8. um 12 Uhr mittags war. Ich bin echt peinlich berührt ob der äußerst mangelhaften Qualität dieses Schriftstücks. Da hat auch die Nacht an der Uni vom 17. zum 18.8. nicht viel geholfen. Das war wohl das dümmste Essay, das ich je abgegeben habe… Na ja, ist jedenfalls vorbei und endlich kann ich mich in den mid-semester break fallen lassen, mich im neuen Heim einleben und an den neuen Weg zur Uni gewöhnen. Verglichen mit dem alten Haus ist es so ziemlich am anderen Ende der Stadt und man kann nicht weiter südlich. Zwischen uns und dem Meer ist nämlich nur noch eine Straße.
Allerdings bin nicht nur ich, sondern die komplette WG umgezogen: Patrick, Daisy, Special K (die beiden Katzen) und ich. Patrick ist nämlich mit seiner Freundin, Nicki, und deren Kater, George, zusammengezogen. Ich habe George noch nicht kennen gelernt, aber er ist so ein langhaariges, fluffiges Fellknäuel und eine Indoor-Katze.
Man hofft auf ein friedliches Auskommen unserer felligen Mitbewohner.
Patrick und Nicki hatten mir das Haus beschrieben und mich gefragt, ob ich mitkommen mag. Ich hab auch viele Fotos im Internet gesehen, denn das Haus wurde auf TradeMe (so was wie ebay in D) zur Miete angeboten. Ich muss jedoch zugeben, dass ich es vor dem Umzug nicht ‚in natura’ gesehen habe. Ganz schön blöd, werdet ihr sicher denken, aber was ich gesehen und gehört habe, hat mich überzeugt. Und bisher habe ich es auch nicht bereut. Ok, ich bin ja erst ein paar Tage hier, aber das Haus ist schon erheblich anders als das letzte: Zwar alt, aber es wurde gerade alles neu gemacht. Zwar sind Fenster und Türen auch hier nicht 100%ig dicht, aber wesentlich besser als vorher. Die Hütte hat sogar Isolierung und Heizung!!!!!!!!!!!!!!!! Man glaubt es kaum. Erstere allerdings nur in Wohnzimmer und Bad, aber immerhin. Küche und Bad sehen aus wie ausm Katalog: Alles in weiß und ziemlich modern. Mein Zimmer ist relativ kalt und ich brauche länger mit dem Radiator um es warm zu kriegen, vermutlich wegen der höheren Zimmerdecke. Aber es ist in dem Haus hier soweit ganz schön. Mein Zimmer ist ein klein wenig größer und ich habe jetzt sogar einen Stuhl und einen Schreibtisch drin – juchuu! Und ein anderes Bett, welches wenigstens ein bisschen schmaler ist als das vorige. Trotzdem ist irgendwie nicht mehr Platz als zuvor. Ich werde noch versuchen, überflüssigen Kram loszuwerden: Ein kleiner Fernseher und ein Luftentfeuchter. Letzteren hätte ich in dem anderen Haus mitunter ganz gut gebrauchen können. Hier scheint das Raumklima jedoch nicht ganz so humid zu sein. Dafür isses hier anner Küste noch windiger als sonst. Patrick wollte Einiges auf TradeMe verkaufen. Ich hoffe, dass der Kram darunter ist oder wenigstens irgendwo anders Platz wird um ihn zu deponieren, denn momentan kann ich das Zeug nicht loswerden, da Patrick meint, dass nirgendwo anders Platz sei. Ich hoffe nur, dass er sein überflüssiges Zeug nicht dauerhaft in meinem Zimmer unterbringen will, denn ich werde ständig gefragt, ob ich nicht noch dieses oder jenes haben will. Leider kann ich auch den Himmel nicht aus meinem Fenster sehen, denn an der einen Fensterseite geht es steil nach oben, sodass der mit Grünzeug überwucherte Hang zu sehen ist, was ja auch nicht schlecht ist. Auf der anderen Fensterseite steht allerdings das nächste Haus in ca. 1,2 m Entfernung direkt daneben. Ich kann also die Wand anstarren, wenn ich Lust dazu habe. Wenigstens hat es keine Fenster an dieser Seite, sonst würde ich mich wahrscheinlich immer beobachtet fühlen. Der einzige Punkt, der mir etwas zu denken gibt, ist die Entfernung zur Uni. Es dauert nicht wirklich viel länger mit dem Fahrrad als vorher (30 statt ca. 23 Minuten) und wenn das Wetter ok ist, macht es auch echt Spaß. Ich hoffe nur, dass nicht allzu oft sturzbachartiger Regen vom Himmel fällt, wenn ich gerade unterwegs bin. Der Bus fährt leider außerhalb der rush hour nicht oft und ich denke, dass ich mir für den nächsten Winter ein Quartier suchen werde, das dichter an der Uni ist. Erstmal bin ich aber optimistisch und hoffe, dass das gröbste vorbei ist, was der Winter hier zu bieten hat (der war nämlich selbst für Wellingtoner Verhältnisse ziemlich nass, hab ich mir sagen lassen) und hoffe auf einen schönen Sommer.

Apropos Olympia: Falls ihr zufällig die 1.500 m der Männer gesehen habt: Der Bronzemedaille-Gewinner aus NZ ist der Sohn von einem Geographie-Dozenten hier. Er ist auch nach Peking geflogen um seinen Sohn rennen zu sehen und die Pinnwand im tea room ist mit Zeitungsausschnitten über Nick Willis dekoriert. Vermutlich hat aber nicht nur das halbe Institut, sondern auch die Nation mitgefiebert, denn im neuseeländischen Fernsehen und Zeitungen wurde die historische Bürde betont, welche auf Nick Willis lastete, da der letzte Kiwi 1976 von Montreal mit einer Goldmedaille in dieser Disziplin nach Hause kam. Ist also schon ne Weile her. Artikel und Bilder gibt’s zum Beispiel hier: http://tvnz.co.nz/content/2019322

Sunday, July 06, 2008

Konferenz die zweite

Exkursion zur 'Makara windfarm': Bei Wellington sollen innerhalb des nächsten Jahres eine Menge Windturbinen errichtet werden. Die Bevölkerung ist Größtenteils dafür. Das Foto zeigt den extra errichteten Hafen, der nach Abschluß des Pojekts wieder demontiert wird, für die Anlieferung von Bauteilen.

Wind und Wetter trotzende Geographen: Es war absolutes Schietwetter bei der Exkursion, weshalb wir nur zwei Mal den Bus verließen. Dies reichte jedoch, um ziemlich nass zu werden.

Julian (ebenfalls Environmental Studies) und meine Wenigkeit mit äußerst kleidsamen Helmen und Warnwesten.

Blick von Mount Victoria auf Wellington CBD: Anthony (Doktorand an der University of Otago in Dunedin) und ich sind heute nachmittag noch raufgekraxelt, da er erst morgen zurück nach Dunedin fliegt.

Danach eine aufwärmende koreanische Meeresfrüchtesuppe. Ich brachte es allerdings nicht fertig die ganzen Tierchen darin zu essen...

uffm Aussichtspunkt von Mount Victoria

Ein paar meist interessante, lustige, manchmal anstrengende, mehr oder weniger ereignisreiche und alles in allem sehr lohnenswerte Tage sind zu Ende. Nach dreieinhalb Tagen Geographie-Konferenz ist noch ein Tag Verschnaufpause bevor es ins nächste Trimester geht. Das Mithelfen bei der Konferenz hatte diverse positive Seiten: Teilnahme, Tassen, T-Shirt, Kugelschreiber, Lippenbalsam, Fachzeitschriften, Exkursion, grandiose Verpflegung und neue Kontakte umsonst. Jedenfalls so gut wie, denn das Hochladen der Präsentationen, zwischen den Vorträgen wechseln der Präsentationen, für Wasser und Becher sorgen und orientierungslosen Geographen zu den entsprechenden Treffpunkten und Räumlichkeiten helfen waren durchaus machbare und nette Aufgaben. An Themengebieten wurden vor allem Human- und Physische Geographie behandelt; außerdem Geographieunterricht an Schulen und die Verbindung zwischen Uni- und Schugeographie sowie ein bisschen Geoinformationssysteme. Es gab so schräge Themen wie „The gendered consumption of bottled water“. Das musste ich mir doch glatt anhören! Nach dem Vortrag machte dieser Titel es auch wesentlich mehr Sinn für mich: Die Methoden dieses Projekts waren qualitative Interviews und die Analyse von Werbung in Zeitschriften im Hinblick auf das jeweilige Zielpublikum. Es ging immer recht früh morgens los weshalb es nicht verwunderte, dass die Entwicklung der Besucher der jeweils ersten Veranstaltung am Morgen eine negativ-exponentielle Tendenz von äußerster Signifikanz aufwies. Viele traten auch schon am Abend des dritten Tages den Heimweg an. Die Vortragenden heute mussten aber nicht vor leeren Sitzreihen stehen, denn die letzten Konferenz-Mohikaner waren glücklicherweise doch noch recht zahlreich.

Tuesday, July 01, 2008

Weihnachten gehört in die kalte Jahreszeit

Der letzte Sonntag war wirklich winterlich: Kalt, tierisch windig und so gut wie ununterbrochen Regen. Passenderweise gab’s dazu eine Weihnachtsparty bei Stephan mit Glühwein, Plastiktanne, Weihnachtsmusik und sogar kleinen Geschenken.
Weniger erfreuliche Nachrichten am Montagmorgen. Schade, aber immerhin Vize-Europameister. Als ich am Abend Radio NZ hörte, gab es da ein Interview mit einem ehemaligen Kiwi-Fußballer, der mal bei Werder Bremen gespielt hat und als Sachverständiger versuchte der neuseeländischen Zuhörerschaft das Phänomen Fußball in Europa bzw. spezifischer in Deutschland nahe zu bringen. Der Reporter von Radio NZ meinte zum Beispiel, dass es der NZ Rugbytrainer ziemlich schwer hatte, als die Mannschaft ein Spiel verlor und er vorübergehend der wohl meist gehasste Mann der Nation war. Daraufhin entgegnete der Ex-Bremer, dass dies nur ein Bruchteil von dem sei, was deutschen Trainern für ein Medienecho entgegenschlägt; dass diese SOGAR ihren Hut nehmen müssen nach einer bedeutenden Niederlage. (Die Kiwis sind vermutlich mindestens so fanatisch beim Rugby wie viele Deutsche beim Fußball aber anscheinend haben die Trainer nicht ganz so viel zu leiden ;o)) Des Weiteren war er sehr begeistert/verblüfft/überwältigt von den tausenden von Zuschauern in deutschen Stadien sowie der Fanmeile nach der EM und durchsetzte seine Schilderungen in regelmäßigen Abständen mit „incredible“.
Da morgen die Konferenz der NZ Geographical Society hier an der Uni beginnt, haben wir volunteers heute noch ein paar Sachen aufgebaut, Poster aufgehängt, Zeitschriften auf Tischen fein säuberlich sortiert, Tassen und Konferenzprogramme mit Werbezetteln gespickt etc. pp. (es ist echt unglaublich, wie viel Werbemüll von diversen Verlagen etc. untergebracht werden muss). Sogar T-Shirts haben wir bekommen, damit man uns als Helfer identifizieren und mit penetranten Fragen belästigen kann. Die Shirts sind wenigstens auch außerhalb der Konferenz tragbar, da in schlichtem schwarz und mit nur wenig Aufschrift. Morgen geht’s dann ziemlich früh los, deshalb geh ich jetzt bald ins Bett und hoffe, dass mir Powerpoint und Beamer morgen wohl gesonnen sind und mittelschwere Katastrophen ausbleiben, denn unsere Aufgabe als volunteers ist u.a. die Präsentationen der ganzen Leute startklar zu machen.

Saturday, June 28, 2008

Konferenz die erste

Gestern und heute war ich auf einem ‚Energy, Transport and Sustainability Symposium’ hier in Wellington an der Victoria Uni, aber auf einem anderen Campus als ich sonst meine Zeit totzuschlagen pflege. Die Koinzidenz von Interesse meinerseits und kostenloser Teilnahme andererseits führten also zur Anmeldung zu dieser Veranstaltung. Um es gleich vorweg zu nehmen: Das Essen war der Hammer und schon allein deswegen hat es sich gelohnt ;o) Na gut, nun mal zum substantielleren Teil. Bei der Registrierung am Anfang gab’s erstmal Namensschildchen zum Umhängen und Wichtigaussehen. Am ersten Tag haben diverse Leute Präsentationen gehalten, wobei es um urban form, planning, electric vehicles, travel demand & behaviour, fuel policy & CO2 ging. Zum Abschluss konnte man sich außerdem noch einige Poster reinziehen, was ich dann aber auf den nächsten Morgen verschoben habe, weil sich meine Konzentration und Aufnahmefähigkeit asymptotisch ihrer Maximalkapazität angenähert bzw. diese überschritten hatten.
Tag zwei war der Interaktion/Verknüpfung von Forschung und Politik gewidmet. Vormittags gab’s zwei Präsentationen von wichtigen Leuten, die auch ganz gut waren. Für die erste Präsentation konnte die Uni mal zeigen was sie hat und was ihre Techniker drauf haben, denn der Redner wurde per Audio-Video-Konferenzschaltung in den Hörsaal übertragen. Nach ca. 15 min war dann auch das Problem gelöst, dass man entweder seine Powerpoint-Folien und ihn sehen konnte oder keine Folien, aber der nette und agile Herr zu sehen und zu hören war. Er befand sich in Edinburgh und machte es wohl richtig, wenn man das Thema der Konferenz bedenkt: Da bleiben, wo man ist und nicht durch zusätzliches Rumgefliege weitere Tonnen an CO2 produzieren. Sein Thema war jedenfalls die Entkopplung von Frachttransport und CO2-Emissionen.
Der zweite Hauptredner dieses Tages war physisch anwesend, was die Sache erheblich erleichterte, und sprach über Urban Design und dessen Beitrag zur CO2-Reduktion. Meiner Meinung nach hat er voll den Nagel auf den Kopf getroffen und viele gute Punkte aufgeworfen und der Großteil des restlichen Publikums war erfreulicher Weise auch dieser Meinung. Wollen hoffen, dass die Politikerfraktion, die anwesend war, sich das zu Herzen nimmt.
Nachmittags ging’s dann in die Workshops. Ich war bei einem als (bitte nicht totlachen) ‚knowledge harvester’ tätig (hatte mich einige Tage zuvor dafür gemeldet als Leute gesucht wurden, die mithelfen). Eigentlich sollte ich also am Ende die Hauptergebnispunkte zu jemand anders bringen, der das Ganze dann für die Abschlusspräsentation auf Powerpoint-Folien bannt. Na ja, im Endeffekt habe ich nicht wirklich was gemacht außer Zettel verteilt und wieder eingesammelt, aber es war soweit ein ganz netter Workshop, wenn auch nicht unbedingt mein Hauptinteressensgebiet. Alles in allem war dieser zweite Tag heute ziemlich angefüllt mich Policy-Geschwafel. Das klingt für mich immer alles so unkonkret und ich kann danach immer gar nicht wirklich sagen, was denn die Maßnahmen sind, die vorgeschlagen wurden. Das ging mir auch in meinem einen Kurs im Studium letztes Trimester so. Na ja, liegt sicher an mir; weiß auch nicht, ob ich das in D bzw. auf deutsch anders empfinden würde. Ich will damit also nicht sagen, dass ich Politik sonst nur als Geschwafel wahrnehme. So isses nich. Außerdem habe ich mich in D damit sicher in einem anderen Kontext auseinandergesetzt, soll heißen: Ich kann das womöglich nicht wirklich vergleichen, aber momentan geht es mir jedenfalls so, als ob das alles irgendwie schwammig ist und ich nicht auf Anhieb oder nicht viele handfeste Sache nennen könnte, die die konkrete Umsetzung betreffen. Es ist halt vieles „strategic“, „integrated“ und „coordinated“. Na ja gut, klar kann man sich darunter was vorstellen… ach Schwamm(ig) drüber! Ach ja, die Konferenz wurde übrigens unfreiwillig eilig und um 15 min. vorzeitig beendet, denn... ratet, was immer in den entscheidenden Momenten meines Lebens passiert...?! Genau! Feueralarm. War aber ganz gut in diesem Fall, denn sonst hätte sich die ganze Sache noch ziemlich hingezogen.
Gerade bin ich von der Abschiedsfete von einem deutschen Freund hier zurück. Extra relativ früh los, um den letzten Bus noch zu erwischen, aber mein Fahrplan und der an der Haltestelle wiesen eine halbstündige Zeitdiskrepanz auf, was mir verriet, dass der letzte Bus also schon seit einer ganzen Weile weg war. Nach etlichen Flüchen und Metern zu Fuß habe ich dann meine Premierenfahrt in einem Wellingtoner Taxi angetreten. Hmpf, ärgerlich das Ganze – man kann sein Geld auch sinnvoller anlegen als in Taxifahrten.

Tuesday, June 17, 2008

Die große Leere danach...?

mehr Steine als Erde


die pflanzwütige Masse bei der guten Tat des Tages

äthiopisches Essen: Was aussieht wie Stofffetzen sind Fladen aus fermentiertem Reis, die das Besteck ersetzen. Aber für mich als europäisches Weichei, das nicht mal einen Doener ohne Gabel öffentlichkeitsfähig essen kann, gab's auch Hilfsmittel. Alles sehr bunt und sehr lecker. Teller und Besteck natürlich aus ökologisch unbelastendem, da völlig verrotbarem Material :o)

Jessica 2.v.l. (bei der die ganze Aktion stattfand), Ralph 3.v.r. (Seminarleiter für einen meiner anderen Kurse)


das Anwesen - soweit das Auge reicht


die staunende Menge vor den Komposthaufen

Falls ihr noch nie ein Regenwurmei gesehen habt: Das ist eines. Aus einem solchen Ding schlüpfen 4 neue Würmer.

Wurmkultur in Reinform


Uff, da bin ich wieder. Die Zeit seit dem letzten Eintrag umfasst(e) den Endspurt des ersten Trimesters und inzwischen bin ich auch einigermaßen zuversichtlich, dieses halbwegs anständig hinter mich gebracht zu haben. Heute hatte ich meine zweite und letzte Klausur. Diese beiden schriftlichen Manifestationen meiner meist eher weniger als mehr zusammenhängenden geistigen Ergüsse waren vielleicht nicht der Brüller, aber ich denke, es sollte reichen um die Frustrationsschwelle zu überspringen und mir einen akzeptablen Notendurchschnitt zu sichern… na ja, die Hoffnung stirbt zuletzt. Nach der ersten Klausur letzte Woche waren wir in einem Pub, wo sogar auf großer Leinwand und mit Beamer die Fussballl EM lief, allerding gerade kein Spiel der deutschen Mannschaft. Ansonsten habe ich noch nicht mitbekommen, dass die EM hier Gesprächsthema wäre. Heute Abend waren ein paar andere Bars dran, aber da ich bin nicht fürchterlich spät und rein promillemäßig auch problemlos nach Hause gekommen. Einige meiner Kommilitonen waren allerdings konstant seit heute Mittag 12:30 Uhr am Trinken.
Ansonsten war in der Zwischenzeit World Environment Day, der dieses Jahr in Wellington ausgerichtet wurde. Ich war im Rahmen dessen nur bei einer Podiumsdiskussion auf welcher der IPCC-Vorsitzende, der UNEP Executive Director (übrigens jemand mit einem so was von deutschen Namen: Achim Steiner), NZ’s Minister für Climate Change Angelegenheiten und der Präsident von Kiribati (sprich: Kiribas) die Redner waren. Wie bei solchen Veranstaltungen wohl üblich gab es keine wissenschaftlich fundamentalen Neuigkeiten. Das Ziel besteht eher darin Aufmerksamkeit und Interesse des gemeinen Pöbels zu wecken. Hat bei mir ja auch gefruchtet. Interessant und beeindruckend fand ich die Schilderungen von Anote Tong (Präsident von Kiribati). Seine Regierung befasst sich schon seit einiger Zeit mit den Möglichkeiten, die die Kiribati haben um den Konsequenzen des Klimawandels in Form eines steigenden Meeresspiegels zu entkommen. Der Großteil des Inselstaates ist nur 2 m über dem Meeresspiegel gelegen. Wie der IPCC-Vorsitzende erklärte, wird zum Ende dieses Jahrhunderts allein durch temperaturbedingte Ausdehnung des Wassers der Meeresspiegel um einiges ansteigen, d.h. also Kiribati (und andere Inseln im Pazifik) wird zum Teil von der Landkarte verschwinden. Ich finde es ziemlich schockierend, dass wir es nun wirklich soweit gebracht haben, dass ganze Inselstaaten dem Klimawandel zum Opfer fallen. Die Kiribati wollen jedenfalls nach NZ „auswandern“ bzw. muss die Bevölkerung noch komplett überzeugt werden, dass es nötig ist, die angestammten Inseln zu verlassen. Es zeugt natürlich von weiser Voraussicht der Regierung, sich jetzt darüber Gedanken zu machen. Kiribati erörtert zum Beispiel mit NZ, ob es möglich ist, dass die betroffene Bevölkerung dann die NZ residency oder citizenship bekommt. Ich fand es dennoch irgendwie schockierend, die Konsequenzen des Klimawandels so konkret zu erfahren, denn ich hatte immer das Gefühl, dass es in Europa zwar auch eine sehr wichtige Angelegenheit ist, aber man doch immer noch nicht so fürchterlich unmittelbar betroffen ist (mal abgesehen von Hitzeperioden und Stürmen etc., bei denen man sich nicht einig war, ob’s der Klimawandel ist oder doch nur ein „normales“ Ereignis oder den Niederländern, die sich unterhalb des Meeresspiegels eingerichtet haben).
Im Rahmen des World Environment Day hat außerdem eine Dozentin auf ihrem permaculture-Anwesen einen Tag mit verschiedenen Gastrednern, Infos über Kompost und Pflanzen pflanzen veranstaltet. Es geht bei permaculture um Subsistenz und Nachhaltigkeit, denn das Ziel ist eigene Nahrungs- und Energieversorgung auf ökologische Art und Weise. Außerdem gab es einige Infos zu Matariki, dem Maori Neujahrsfest, das Mitte Juni begangen wird, wenn die Plejaden zu sehen sind. Ein paar von unserem Kurs sind also mit Regenjacken, Gummistiefeln und Spaten bewaffnet in den Zug nach Upper Hutt gesprungen um dem Ereignis mit tatkräftiger Unterstützung beizuwohnen. Es war ziemlich regnerisch, aber trotzdem sind nachmittags alle ca. 60 Mann raus und haben das Wurzelwerk von über 160 Pflanzen mit mehr oder weniger Professionalität und Elan im Erdreich versenkt. Obwohl… diese Beschreibung ist wohl mindestens mittelschwer übertrieben, denn es waren mehr Steine als Erde. Das „Pflanzgebiet“ befand sich direkt neben einem Fluss, der eben gerne mal Geröll liegen lässt, wenn er meint mit der Überflutung fertig zu sein. So schichteten wir also sorgfältig die Steine um die Pflanzen, nachdem wir ein Loch in das Geröllfeld geschlagen hatten. Zuvor gab es jedoch noch einige Auskünfte zu Kompost und den besten Zutaten zur Zucht von Regenwürmern.